Die Peterskirche

Rings um die Kirche

Der Kirchhof war in früheren Zeiten durch eine Um­zäunung, später dann durch eine massive Mauer ein­gefriedet. Sie ist in Teilen heute noch im südlichen und südwestlichen Bereich des Kirchenareals zu sehen. Der Kirchhof rings um die Kirche wurde bis 1836 als alleiniger Friedhof für die Verstorbenen von Gaiberg und der Filialgemeinde Waldhilsbach genutzt. Neben dem Haupteingang der Kirche ist eine Gedenktafel an­gebracht. Sie erinnert an den ersten evangelischen Pfarrer Gaibergs in neuerer Zeit, Johann Carl Emanuel Hepp, der hier von 1805 bis 1807 als Seel­sorger tätig war und hier begraben ist.

Heute steht auf dem Kirchhof eine stattliche Linde, die als Naturdenk­mal ausgewiesen ist. Unter diesem imposanten Baum ragt der Schaft eines im Jahre 1720 von der katho­lischen Bevölkerung errichteten Kreuzes aus Sandstein empor. Das Kreuz war schon 100 Jahre später zerstört und der Querbalken ver­schwunden.

Vor dem Turmeingang befindet sich ein ,Steinerner Tisch'. Dieser stand bis zum Jahr 2007 im Garten des früheren Pfarrhauses. Dessen ursprüngliche Herkunft ist unbe­kannt; möglicherweise hatte er vor langer Zeit die Funktion eine 'Feldaltars'. Das Betonkreuz mit den blauen Schmuckgläsern an der nördlichen Ecke der Kirche wurde von dem 1996 verstorbenen Künstler und Ehrenbürger Georg Müller erschaffen.

Früher war der Kirchhof im nördlichen Bereich deutlich größer. Im Jahre 1872 wurde die Hauptstraße in Gai­berg ausgebaut und im Zuge dieser Bautätigkeiten wurde eine massive Stützmauer entlang des Kirch­hofes gebaut. Die Treppe führte damals direkt auf die Haupttüre des Langhauses zu.

Der Anbau (Sakristei) an der südlichen Seite stammt aus dem Jahre 1957. Er dient als Versammlungs- und Gemeinderaum.

Die Baugeschichte

Im Ortszentrum von Gaiberg gelegen zählt die Peters­kirche zu den ältesten Gebäuden der Gemeinde. Wann die erste Kirche in Gaiberg gebaut wurde, ist unbekannt. Eine Urkunde vom 30. November 1312 er­wähnt die Anstellung eines Ortsgeistlichen (Kaplans) und Rechte der St. Paulskirche in Gaiberg. Vermutlich bestand damals bereits eine Kapelle, die vielleicht schon im 12. Jahrhundert errichtet wurde. Die wirt­schaftliche Eingliederung der Pfarreien Gauangelloch, Gaiberg und Waldhilsbach in das Wormser Bistum als Lehen brachte nicht nur wirtschaftliche Abhängigkei­ten mit sich, sondern auch eine Namensänderung.  Der Patron des damaligen Wormser Bistums war St. Petrus. Deshalb wurden viele alte Kirchen der Umge­bung diesem Patron geweiht, so auch die Gaiberger Kirche. Zunächst war Gaiberg eine Filialkirche der Pfarrei in "Angellach", löste sich aber bald vom Mutter­ort. Bei Ausgrabungen im Kirchenschiff während um­fangreicher Renovierungsarbeiten im Jahre 1998 wur­den die Fundamentreste der Kapelle gefunden. Das erste Kirchengebäude hatte eine Fläche von ca. 21 m² und  einen ca.  9 m² großen Chor.  Etliche  Holzbalken aus der Tragekonstruktion der heutigen Empore stam­men vom Dachgebälk eines kirchlichen Gebäudes, das um 1300 errichtet wurde. Dies ergaben dendro­chronologische Untersuchungen der Jahresringe die­ser Balken und Bearbeitungsspuren. Demnach wur­den die Bäume, aus denen die Balken hergestellt wur­den, zwischen 1298 und 1304 gefällt.

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde der Turm errichtet.  Er wurde nicht direkt an das Kirchen­gebäude angebaut, sondern im Abstand von ca. fünf Metern an der westlichen Seite. Außerdem war  er  et­was  niedriger  als heute.  Die Mauern des Turmes sind mehr als einen Meter dick; deswegen hatte er wohl die Aufgabe, die Bevölkerung in unruhigen Zeiten zu schützen.

In einer dritten Bauphase anfangs des 14. Jahrhun­derts wurde das kapellenartige Gebäude um einige Meter nach Osten erweitert. Die Ostmauer des heuti­gen Langhauses stammt noch in Teilen aus der dama­ligen Zeit.  Vermutlich zwischen 14. und 16. Jahrhundert wurde die Lücke zwischen Turm und Langhaus geschlossen. Erst jetzt wird die Bauform einer typi­schen Dorfkirche deutlich. Das damalige Langhaus war genauso breit wie der heutige Turm. Der Dreißig­jährige Krieg (1618-1648) führte in der Kurpfalz zu ge­waltigen Verwüstungen und zu einer starken Abnahme der Bevölkerung. Viele schriftliche Zeugnisse gingen in den Wirren verloren, und deshalb ist so gut wie nichts über den baulichen Zustand der damaligen Kir­chengebäude bekannt. Wie aus einem Schreiben des damaligen Pfarrers Keller im Jahre 1732 an die  Geist­liche Administration bekannt ist, war die Kirche insge­samt sehr baufällig. Am 27. April 1737 erfolgte die Grundsteinlegung für ein neues Kirchengebäude mit etwas größeren Maßen. Am 24. August 1738 wurde die neue Kirche eingeweiht. Bis heute sind immer wie­der etliche Reparaturen und Renovierungen erfolgt. Größere Umbauarbeiten datieren aus den Jahren 1864/65, 1957 (damals wurde unter anderem der Ge­meinderaum angebaut) und 1996 bis1998. Im Zuge dieser letzten Renovierung wurden frühere 'Bau­sünden' weitgehend revidiert.

Umfangreiche archäologische Untersuchungen in den Jahren 1996 und 1997  brachten wertvolle Erkenntnis­se zur Geschichte der Vorgängerbauten. So konn­ten Reste des Fundamente der Vorgängerbauten freige­legt werden. In diesem Zusammenhang wurden unter dem Innenputz auch zwei etwa einen Meter lange ro­manische Sandsteinsäulen entdeckt, die als Fenster­sturz im Turm verbaut wurden. Über deren Herkunft gibt es nur Vermutungen.

 

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Abb.: W. Himmelmann

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Abb.: W. Himmelmann

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Romanische Sandsteinsäule, verbaut als

Fenstersturz im Kirchturm

Ansichten - Aussichten - Einsichten

Die Orgel

Die erste Orgel wurde vom Heidelberger Hoforgelbauer Liborius Müller Ende 1742 in die neue Kirche einge­baut. Sie hatte sieben Register. Gespielt wurde sie mit Hilfe eines Blasebalgs, der von einem so genannten 'Calcanten' getreten wurde. 1881 wurde eine gebrauch­te Orgel "so gut wie neu" gekauft, ein Missgriff, wie sich bald herausstellte. Die 1903 erworbene Orgel stammte von der Firma G. F. Steinmeyer & Co. (Oettingen) und stand zuerst vorne an der NO-Ecke des Kirchenschiffs, Im Jahre 1947 wurde sie auf die Südseite der Empore umgesetzt. Im Januar 1967 wurde eine Orgel der Firma Vleugels (Hardheim) mit 12 Registern erworben, die aus Raumgründen in zwei Werke aufgeteilt war und hinter dem Altar an der Stirnwand hing. Zu jener Zeit waren die beiden Rundfenster zugemauert. In der Mitte der Wand befand sich zwischen den Orgelwerken ein rechteckiges Fenster. Die Vleugels-Orgel befindet sich heute als Zweit-Orgel in der Nikolai-Kirche in Cottbus.

Am 3. Oktober 1999 wurde die heutige Orgel der Firma Matz & Luge aus Rheinmünster eingeweiht. Das Ge­häuse besteht aus massivem Kirschbaumholz. Die Or­gel hat zwei Manuale mit insgesamt 12 Registern und ein Pedal mit 2 Registern sowie ein Avicinium (Vogel­gezwischer). Die Spieltraktur ist rein mechanisch ge­staltet.

Die Glocken

Im Gaiberger Heimatbuch von Dr. G. Wüst ist von einer Glocke, die vor dem 30-jährigen Krieg (1618 - 1648) in Gaiberg existierte, die Rede, deren weiteres Schicksal aber unbekannt ist. Im 18. Jahrhundert wurde zunächst eine Glocke angeschafft, später eine zweite, die bis zum Jahre 1913 ihren Dienst versahen. In diesem Jahr wurde ein Bronzegeläut mit drei Glocken gekauft. Zwei davon mussten 1917 an die damalige Heeresverwaltung abgeliefert werden. Sie wurden vermutlich für Kriegszwecke eingeschmolzen. Die dritte Glocke in der Tonlage As blieb den Gaibergern zunächst erhalten. Doch 1919 entschloss sich die Kirchengemeinde, wieder ein Drei-Glocken-Geläut anzuschaffen. Um aber einer erneuten Einschmelzung vorzubeugen, hatten die damaligen Entscheidungsträger sich nicht für Bronze-Glocken entschieden, sondern für Stahlglocken. Die verbliebene Bronze-Glocke passte nicht mehr zum Geläut und wurde deshalb nach Bammental verkauft (s. Abb-1-Glocken), wo sie bis zum Jahr 1926 läutete.

Die drei Gaiberger Stahlglocken wurden am 28. August 1921 geweiht; sie sind also fast 100 Jahre alt. In der Tonfolge E-Gis- H läuten sie bis heute zu allen kirchlichen bzw. liturgischen Anlässen. Der Stundenschlag (zu jeder Viertel-, Halb-, Dreiviertel- und vollen Stunde), also das offizielle Zeitzeichen, wird durch eine Funkuhr gesteuert und liegt in der Zuständigkeit der politischen Gemeinde. In deren Verantwortung liegt auch das 11-Uhr-Läuten.

Am 17. April 2013 wurden die Läuteanlagen in beiden Kirchen von Fachleuten des Denkmalschutzes und der Glockentechnik eingehend untersucht. Nachdem zunächst der Austausch der fast 100 Jahre alten Glocken empfohlen wurde – einschließlich des ebenso alten Glockenstuhl aus Stahlträgern –,  wurde bei einem Besuch und Vortrag am 1. April 2014 durch Herrn Dr. Kares, dem Glockensachverständigen beim Oberkirchenrat, drastisch korrigiert. Bis zu diesem Zeitpunkt war es gängige Lehrmeinung in Bezug auf die 'Lebensdauer' von Stahlglocken, dass die Glocken bei diesem Alter 'abgängig' sind und ersetzt werden sollten. Doch Untersuchungen durch anerkannte und renommierte Institute in Zusammenarbeit mit verschiedenen Universitäten kommen zu folgendem Ergebnis:

Die frühere Einschätzung trifft nur auf so genannte Hartgussglocken zu, nicht aber auf die Glocken in Gaiberg. die im „Normalguss“ hergestellt wurden. Die 'Lebensdauer' dieser Glocken entspricht in etwa denen von Bronzeglocken, die eine sehr langes Leben' haben.

Gegen einen Austausch der Stahlglocken in Gaiberg spricht darüberhinaus noch, dass diese aufgrund ihres Baujahres den Bestimmungen des Denkmalschutzes unterliegen mit der Wirkung, dass eine Bezuschussung durch die Landeskirche entfallen würde, sollte sich Gaiberg trotzdem für neue Bronzeglocken entscheiden. Eine Minderung der Schallemissionen soll jedoch durch neue Schallläden und weitere Schall-dämpfende Maßnahmen erreicht werden. Auch der Stahlglockenstuhl sollte zunächst durch einen Glockenstuhl aus Eichenholz ersetzt werden. Untersuchungen durch ein Stuttgarter Materialprüfungsinstitut ergaben inzwischen, dass auch die Stahlträger des Glockenstuhls weitgehend in einem guten Zustand sind und nicht ausgetauscht werden müssen. Allenfalls die Glockenjoche aus Stahl sind vorsichtshalber zu ersetzen, weil diese beim Läuten hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt sind und 'Materialermüdungserscheinungen' aufweisen könnten mit der Gefahr, dass sie brechen könnten. Das wäre bei den sehr hohen Massen der Glocken – die größte wiegt 1710 kg – mit großen Schäden verbunden.

Foto: uwb

Fotos: boe

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Die Uhr

Der Turm

Die Uhr in der evangelischen Kirche wird von der politischen Gemeinde Gaiberg unterhalten. Sie dient als offizielles Zeitzeichen für Gaiberg. Es handelt sich hierbei um eine Funkuhr der Firma Hörz.

Die Uhr erhält das Zeitsignal von der Sendeanlage der Media Broadcast in Mainflingen, 10 km nordwestlich von Aschaffenburg gelegen. Die Sendeanlage wurde im Jahre 1959 errichtet und besitzt insgesamt 18 Masten für Mittel- und Langwelle. Über die Langwelle werden fast alle Funkuhren in Westeuropa gesteuert.

Die Langwellensendeanlage besteht aus zwölf gegen Erde isolierten, abgespannten Stahl-Fachwerkmasten mit Höhen von 100 bis 220 Metern, an denen T- und Dreieckflächenantennen befestigt sind. Sie werden von Langwellensendern, deren Rufzeichen mit DCF beginnt, genutzt. Das auf 77,5 kHz ausgestrahlte Zeitzeichen DCF77 gilt als die gesetzliche Zeit der Bundesrepublik. Es wird über die Atomuhr der physikalisch-technischen Bundesanstalt in Braunschweig erzeugt.

gallery/uhr

Foto: boe

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Der Turm der Gaiberger Kirche ist kein Wehrturm, wie manchmal vermutet wird. Die Lichtschlitze im Mauerwerk, die wie Schießscharten aussehen, sind lediglich kleine Fenster. Der Turm dürfte aber gleichwohl dem Schutz der Bevölkerung in Gefahrenzeiten gedient haben. Seine Außenmaße betragen 5,70 Meter in Ost-West-Richtung und 5,80 Meter in Nord-Süd-Richtung. Die Mauern haben eine Stärke zwischen 1,04 Meter und 1,13 Meter.

Er wurde vermutlich um das Jahr 1200 errichtet. Damit ist er das älteste noch existierende Bauwerk Gaibergs. Er war ursprünglich freistehend, d. h. er war nicht an eine damals schon existierende Kapelle angebaut. Die Verbindung mit dem Kirchenschiff erfolgte erst im 14. Jahrhundert mit dem Bau eines größeren Kirchenschiffs für die Vorgänger-Kirche des heutigen Kirchenschiffs.

Für das Fundament des Turmes wurden nur Findlinge und Bruchsteine verwendet. Die aufgehenden Mauern bestehen hauptsächlich aus Bruchsteinen und Quadern, die in Lagen vermauert wurden. In den Mauern des ersten Obergeschosses befinden sich auch Steine aus einem abgegangenen Bauwerk. Die Maurer im Hochmittelalter nutzten dabei teilweise auch qualitätvolle Bauskulptur in Form von Säulen und Kämpfern für Fensterstürze, oder sie verbauten diese kunstvoll bearbeiteten Steine einfach im Mauerwerk. So sind in der Südwand des ersten Obergeschosses am Fenstersturz zwei romanische Säulen mit Kragenwulst und Kapitell verbaut. Sie wurden bei der letzten Renovierung entdeckt und nicht mehr verputzt, um sie als steinerne Zeugnisse sichtbar zu lassen. Ihre genaue Herkunft ist unbekannt.

In den Mauern des Turmes sind neben den erwähnten Säulen auch andere Steine verbaut, die von einem anderen abgerissenen Gebäude stammen. Diese so genannten Spolien befinden sich beispielsweise an den Ecken des Turmmauerwerks als glatt behauene Quader, die sich mit Buckelquadern abwechseln. Diese Bauweise findet sich in vielen alten Kirchen in Süddeutschland.

Aufgrund archäologischer Befunde ist zu vermuten, dass der Turm ursprünglich gar keinen Zugang im Erdgeschoss besaß, sondern nur über eine Leiter oder Stiege an der Ostmauer zugänglich war. Zwei Kragsteine im Mauerwerk unter der heutigen Empore lassen darauf schließen.

Der Turmhelm, in dem an der Nordseite auch das Ziffernblatt der Turmuhr integriert ist, besteht aus einem Holzfachwerk. Er ist heutzutage mit einem Eternit-Kunstschiefer bedeckt. Es ist angedacht, diesen Kunstschiefer durch eine Bedeckung aus Naturschiefer zu ersetzen.

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Foto: uwb